Lieblingsfolgen – Ep. 4 – TOS: “The City on the Edge of Forever”

Über 50 Jahre ist es her, dass eine der erstgenannten Star Trek Folgen in den USA erschien, wenn es um “Lieblingsfolgen” aus dem Star Trek Kosmos geht. “The City on the Edge of Forever” war nicht nur ein bemerkenswertes Zeugnis der Serienkunst ihrer Zeit, sondern gibt uns auch philosophische und geschichtliche Nüsse zu knacken. Sebastian und Andreas wagen sich an eine der am höchsten gelobten, aber auch am kontroversesten diskutierten Star Trek Folgen aller Zeiten.

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9 Gedanken zu „Lieblingsfolgen – Ep. 4 – TOS: “The City on the Edge of Forever”

      1. Cool! Danke!

        Übrigens, weil ich gerade an der Stelle bin, schon mal ein kleiner Zwischeneinwurf: Scotty war von Anfang an Chefingenieur der Enterprise (kann es sein, dass Ihr da zwei andere Charaktere vermischt habt: wer erst ab Staffel 2 Chefingenieur wurde, das war Geordi, und wer vorher nur random Transportet Guy war, das war O’Brien. 😉 )

        Warum Scotty generell immer wieder auf Außenmissionen mitgenommen wurde, ist mir in der ganzen Serie ein großes Rätsel, weil der idR immer das dümmste und aufbrausendste Glied in der Kette war, sobald er vom Schiff runter war (getoppt später nur durch Checkov!)
        (Warum er in dieser Folge dabei war… wahrscheinlich wollte James Doohan einfach Screen Time.)

        Eure Vermutung, warum man Uhura dabei hatte, ist wirklich ein sehr guter Gedanke. Leider ist der den Machern der Serie nie gekommen, weshalb die sonst auch fast immer an Bord blieb. Dass eine Kommuniktionsexpertin mehr ist als nur eine Telefonistin, sondern auch ganz praktisch sein könnte, um Erstkonatkte zu erleichtern, haben dann aber zumindest die Autoren von ENT begriffen, als sie die Funktion von Hoshi Sato geschrieben haben.

        Generell hat Kirk seine Außenteams aber immer so zusammen gestellt: die wichtigsten Mitglieder seines Offizierstabs verlassen geschlossen das Schiff und begeben sich in gefährliche Außeneinsätze!

  1. melde mich auch mal wieder. Sorry, hab es leider verpeilt, zu Euren einzelnen Sendungen Kommentare abzugeben.
    Das Konzept Lieblingsfolgen find ich klasse.
    Und bitte bleibt bei Euren so-lange-wie-möglich-babbeln-Folgen, ich höre Euch so gerne zu, weil Ihr seid ELOQUENT!
    Ernsthaft!
    Man merkt Euch Eure Sprecherfahrung an, flüssige Sprechweise, schöne Satzbildung, es ist einfach Freude.

    Ich staune immer, was man so alles aus einer Folge rausziehen kann, an philosophischen Diskursen, insbesondere die Zerlegung der Data-Folge war spannend, wenn auch etwas schmerzhaft für das schlichte Nur-Konsumenten-Herz ;-).

    Die VOY-Folge habe ich mir mit etwas Widerwillen angeschaut, ich habe die Folge ganz sicher bei der Erstausstrahlung gesehen, hatte allerdings überhaupt keine Erinnerung mehr dran. Es war sicher keine schlechte Folge, aber generell hab ich bei Voyager gucken nicht das ich-bin-daheim-feeling wie bei TNG oder DS9. Bin aber bereit, mit Euch weitere Lieblingsfolgen auch aus von dieser Serie zu schauen. Ich gucke ja auch TOS wegen trekamdienstag.

    Freu mich jetzt auf die Folge mit der alten Enterprise aus TNG, das ist eine Folge, die ich auch sehr gerne mag. Bin gespannt, was Ihr dabei alles zu Tage fördert.

  2. Moin moin die Herren!
    Als studierter Historiker fühle ich mich angesprochen, zu Euren Fragen bzgl. der Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs Stellung zu beziehen. Als Spezialist Meikel Börnhäm quasi :-p
    Vorweg gesagt, ist das natürlich hochspekulativ, weil es nicht eingetroffen ist, aber zum Wohle der Diskussion gehen wir mal von der kontrafaktischen Situation aus, dass es eine Keeler-Bewegung in den USA der 1930er gegeben hätte. Innenpolitisch befanden sich die USA zu dieser Zeit in der letzten Phase des Isolationismus, der im Grunde besagte, dass man sich ganz auf sich konzentrieren wollte und alles außerhalb Nordamerikas sich selbst überlassen war. Abgesehen von der Präsidentschaft Theodore Roosevelts (Präsident von 1901 bis 1909) und dem Eintritt in den Ersten Weltkrieg 1917 hielten sich die US-amerikanischen Staatslenker seit mehr als 100 Jahren an den Isolationismus, der auf der sog. Monroe-Doktrin von 1823 beruhte. Dass dies mit der “Great Depression” in den 1930er Jahren zusammenfiel, verstärkte das Bedürfnis nach Isolation noch weiter. So lässt sich dann auch erklären, weshalb noch 1939 jüdischen Flüchtlingen aus Europa kein Asyl gewährt wurde. http://www.spiegel.de/einestages/irrfahrt-der-st-louis-wie-die-usa-937-juedische-fluechtlinge-abwiesen-a-1134494.html Es benötigte wirklich erst den Angriff auf Pearl Harbor durch die Japaner am 7.12.1941, dass Präsident Franklin D. Roosevelt die Bevölkerung von einem Kriegseintritt überzeugen konnte.
    Wenn man jetzt eine pazifistisch-isolationistische Massenbewegung, wie die Keeler-Bewegung sie hätte sein können, in der US-amerikanischen Bevölkerung in die Gleichung mit aufnimmt, so erscheint es logisch zu argumentieren, dass sie in der damaligen öffentlichen Meinung genug Einfluss generieren könnte, um die isolationistische Außenpolitik länger aufrechtzuerhalten. Hätte es einen pazifistischen Flügel in der Bevölkerung gegeben und wäre der japanische Angriff im Dezember 1941 erfolgt, hätte es vermutlich deutlich differenziertere Meinungen zum Kriegseintritt gegeben und Präsident Roosevelt wäre es wahrscheinlich nicht so einfach gelungen, den Rückhalt von der Mehrheit der Bevölkerung für den Kriegseintritt zu erhalten.
    Auf Eure Überlegung, ob man NS-Deutschland anders als mit Krieg hätte begegnen können, möchte ich zu bedenken geben, dass das NS-Regime bereits schon 1933 die Zielsetzung hatte, mittels kriegerischer Rückeroberung die im Versailler Vertrag verlorenen Gebiete und noch weitere Regionen darüber hinaus zu erobern. Bereits im Februar 1933 informierte Hitler die Führung der Reichswehr, dass das Militär wieder erheblich aufgestockt werden sollte. Ab Mitte der 1930er Jahre wird unverkennbar, dass die Remilitarisierung voranschritt und internationale Abkommen immer weniger Bedeutung für die NS-Führung hatten, wie sich an der “Rheinlandbefreiung” von 1936 exemplarisch festmachen lässt. Bereits 1938 legte es NS-Deutschland darauf an, einen bewaffneten Konflikt in Europa vom Zaun zu brechen, als das Sudetenland im Oktober dieses Jahres “heim ins Reich” geholt wurde. Damals gelang es Großbritannien und Frankreich mittels des Münchener Abkommens noch, den Krieg zu verhindern, aber bekanntlich sorgte ein fadenscheiniger Grund ein Jahr später für den endgültigen Ausbruch. Diplomatie war also keine Option mehr, wie man im Westen feststellen musste.
    Mit Sowjetrussland war Ende 1941 aus Sicht von NS-Deutschland noch alles gut, da man ja ein Abkommen geschlossen hatte, in dessen Zuge man Polen untereinander aufteilte. Da die NS-Führung aber aus rassistischen Gründen (Stichworte “Untermensch” und “unser Volk braucht Raum”) auch Sowjetrussland erobern wollte, kam es dazu, dass sich im Osten und Westen die Alliierten gegen die Italien und NS-Deutschland zusammenschließen konnten.
    In Europa entwickelte sich der Konflikt dann schnell zu einem Krieg der Ideologien: Nationalsozialismus/Faschismus vs. Demokratie nach angelsächsischem Vorbild vs. Sozialismus nach Prägung Sowjetrusslands. Das wird daran deutlich, dass jeder der alliierten Kriegsteilnehmer an den deutschen Kriegsgefangenen in der eigenen Hand Umerziehungsmaßnahmen durchführte. Dies geschah bereits mit der Zielsetzung, für Nachkriegsdeutschland zur vorherrschenden Ideologie zu werden, da spätestens ab Sommer 1944 mit der Eröffnung der Westfront den Alliierten klar war, dass das NS-Regime über kurz oder lang fallen würde. Es zeichnete sich damit quasi schon der Kalte Krieg am Horizont ab.
    Im Pazifik war die Lage etwas anders: Hier agierten vornehmlich Japan und die Vereinigten Staaten. Sowjetrussland erklärte Japan erst nach dem ersten Atombombenabwurf den Krieg. In Europa waren Anfang Mai 1945 die Kämpfe eingestellt worden, während sie im Pazifik noch andauerten. Um den Krieg aber zu verkürzen, entschieden sich die USA zur Nutzung der Atomwaffen, da eine vollständige, militärische Invasion Japans noch einmal deutlich mehr Zeit, Geld und Menschenmaterial verschlungen hätte. Man zeigte mit der Zerstörung von Nagasaki und Hiroshima, dass man gewillt war, die Atombombe mehrfach zu benutzen. Das führte dann auch dazu, dass Japan bereits sechs Tage nach dem zweiten Abwurf kapitulierte.
    So, die Textwand steht. Sorry, wenn es etwas ausschweifend wurde, aber Historiker neigen zum Labern 😉 Ich bin gespannt, was Euer Go-To-Historian zu Euren Fragen sagt. Dies hier ist, das betone ich deutlich, meine Interpretation. Die Geschichtswissenschaft an sich ist ja nicht in Stein gemeißelt und “die eine historische Wahrheit” ist nicht zu ermitteln. Vielmehr geht es, in den Worten von Natalie Zemon Davis, um Folgendes: „[…] [T]he goal of our historian’s craft has been and is a quest for a truthful account of the past as full as we can make it […].” Hoffentlich ist mir das mit diesem kurzen Essay gelungen 🙂
    P.S.: Auf die Schnelle habe ich abgesehen von dem Spiegel Online Artikel leider keine Belege zur Hand, was wissenschaftlich gesehen natürlich gar nicht geht. :-p Aber wenn Bedarf besteht, kann ich meine Unterlagen durchforsten und noch etwas nachliefern.

  3. Bis heute hin ist das militärische Eingreifen der USA in Sachen zweiter Weltkrieg die einzige Mission die längerfristig Frieden brachte, zumindestens für Europa. Das diese Thema bei den Amerikanern Anklang fand ist auch nicht verwunderlich.
    Der Sieg über Hitlerdeutschland gebührt aber nicht allein den Amerikanern sondern auch seinen Allierten insbesondere Russland (damalige Sowjetunion), das zumindestens sollte an dieser Stelle mal erwähnt werden.

    Ich finde diese Folge ja nicht schlecht, aber aus meiner Sicht zu einseitig und wie ihr ja auch selber festgestellt habt etwas zwiespältig. Das Pavel Andreievich Chekov in dieser Folge nicht mitspielt sei nur nebenbei erwähnt.

    Den Parzifismus, mitten im Kalten Krieg (*inkl.Vietnam 1955-1975), per Kunstgriff in Frage zustellen klingt bei mir bis heute hin wie ein Entschuldigungbrie für alles was *davor und danach kam und hinterlässt bei mir eher einen faden Beigeschmack.

    Hinweis:
    Etwas später kam noch die TOS-Folge “Schablone der Gewalt” (S2E21). https://de.wikipedia.org/wiki/Schablonen_der_Gewalt
    Das Thema Nazis bei Star Trek wurde spätestens wieder bei VOY und ENT aufgegriffen.
    (VOY S4E18/19 “Tötungsspiel”), (ENT S4E01/02 “Sturm Front”)

      1. Schade, ich finde das Konzept eines Entschuldigungsbrie irgendwie ganz faszinierend: die einen sagen mit Blumen und Pralinen “Tut mir leid”, die anderen mit einem zerlaufenen Weichkäse! 😀

        Entschuldigung, das macht die Hitze.

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